Hinfahrt

Wieder war es einmal so weit. Das lange Jahr des Wartens war vorbei und endlich ging es wieder los. Dieses Jahr sollte es wieder Dänemark sein. Speziell hatten wir uns das Museumscenter Hanstholm zum Ziel gesetzt, denn das war 2000 noch in Arbeit. Jetzt nach der Fertigstellung wollten wir es uns anschauen.

Es ist der 10. August 2005 - eigentlich Sommer.  Früh, 07.30 Uhr, fuhr ich mit einem reparierten Auto und zum Teil ersetzten Ausrüstungsgegenständen (2004 wurden wir am Ostwall in Polen bei einem Autoeinbruch vollständig ausgeraubt)  in Richtung Norden. Gegen 08.00 Uhr war ich bei Steffen, der schon mit gepackten Sachen bereit stand - ab ins Auto und weiter ging es ohne Verzögerung. Die Strecke war uns ja noch von 2000 bekannt. Wir kamen gut durch Deutschland, überquerten die ehemalige Grenze und verließen bei Vejle die Autobahn. Steffen hatte die Karte und führte mich recht gut bis Klitmoeller. Wir waren in der Annahme, wir kommen und bekommen sofort eine Unterkunft. Einfach und logisch gedacht - aber verkehrt. Zum Glück waren wir schon gegen 16.00 Uhr vor Ort. Unterwegs sahen wir auch einige Schilder "Zimmer frei" und das erfreute uns. Jedoch kam alles anders.
Als Erstes versuchten wir es bei der altbekannten Unterkunft, in der Nähe des Hafens. Doch meine Ahnung  sollte sich bestätigen. Das Haus wurde nach 2000 verkauft und die neuen Besitzer vermieten nicht mehr. Das war Schade, denn das Zimmer war schön, sauber und geräumig. Kurz zum Hafen von Klitmoeller, 5 Minuten den Surfern auf der stürmischen Nordsee zuschauen und dann die Unterkunftssuche beginnen.

Wir hatten unsere Preisvorstellung - 30 bis 40 Euro pro Nacht und Zimmer, und mit der gingen wir erst einmal zur Zimmervermittlung. Dort bekamen wir die Auskunft, wir vermieten nur wochenweise bzw. wenn schon Tageweise - dann zu anderen, höheren Preisen.

Somit suchten wir weiter. Hatten wir nicht mehrere Schilder "Zimmer frei" auf der Hinfahrt ausmachen können? Wo waren Sie? Die Suche ging los. Das erste Schild gefunden - "...ja frei, aber erst ab Sonnabend!" das nächste Schild ausgemacht "... tut uns Leid, haben wir vergessen abzumachen!", und weiter und weiter... . Nach dem 5. Schild mit abschlägiger Antwort - versuchten wir es auf einem Zeltplatz, zu Teuer mit schlechten Komfort. Dort bekamen wir aber eine Auskunft,"...der Bauer.... vermietet." Es wurde immer später. Den Blick für die schöne dänische Landschaft hatten wir schon Lange abgelegt - wir hatten nur eines im Sinn, die Suche einer Schlafmöglichkeit. Zwischen Norre Vorupoer und Thisted fanden wir den angegeben Bauern. "Ja ich vermiete, die Nacht für 300 DKK - o.k. bei vier Nächten machen wir 250 DKK". Aber vor Vertragsabschluss wollten wir erst einmal das Zimmer sehen. Wir waren erschüttert - das kann man doch keinen anbieten. Sofort kamen mir die Erinnerungen aus längst vergangener, dunkler DDR Zeit und Ostseeurlaub hoch. Dort wurde auch der letzte Schweinestall für viel Geld an Urlauber vermietet. Es war 18.00 Uhr und noch hell. Also sagten wir "Danke" und "wir kommen auf Ihr Angebot evtl. zurück". Kaum waren wir draußen, da war für uns klar - DAS NUR IM ERNSTFALL - ALS LETZTE RETTUNG.

die Terrasse vor unserem Zimmer - die offene Tuer die Terrasse von der anderen Seite
ein Blick in unser Zimmer- nett eingerichtet.


Weiter ging es landeinwärts. Linkerhand wieder ein Schild "Zimmer zu Vermieten". Der Bauernhof sah recht annehmlich aus. Gepflegt und aufgeräumt - so wie wir es von Dänemark her kannten. Steffen ging hinein und fragte nach dem freien Zimmer. Leider auch erst ab Sonntag - aber "...versucht es doch mal bei Anne Marie und Carsten Munk, die haben 'Bed and Breakfast' ". Wir fuhren weiter Richtung Thisted und auf der rechten Seite, nach einer Kurve kam ein kleines Schild "Bed and Breakfast bei Munkebo" - Vesterkärvej 4 (ich hoffe die Hausnummer stimmt). Der unausgebaute Feldweg führte uns durch Wiesen, Felder und Baumgruppen zu einen kleinen, idyllisch gelegenen  Bauerhof, der von der Straße her nicht auszumachen war - "Munkebo". Vor dem Haus, an einem hohen Mast, wehte die dänische Flagge.
Empfangen wurden wir durch lautes Hundegebell, zwei hübsche Schäferhunde standen hinter einem niedrigen Gartenzaun (der kein Hindernis für sie sein konnte) und bellten uns an. Einer von Beiden legte seine Vorderbeine auf die Gartentür und schaute uns erwartungsvoll in die Augen. Eine Klingel konnten wir nicht sofort erkennen. Aber wozu auch.
Ohne das wir uns weiter bemerkbar machen mussten erschien die Frau des Hauses, Anne Marie. Eine nette Dame, die uns in guten Englisch und wenig Deutsch nach unseren Wünschen fragte. Wir schilderten kurz unser Anliegen und sie hatte noch ein Zimmer frei. Wir gingen in den oberen Teil des Hauses durch einen separatem Zugang und fühlten uns gleich in der angenehmen Atmosphäre wohl. Das Zimmer welches wir uns anschauten war für zwei Personen, wie wir, sehr geräumig, sehr sauber und nett eingerichtet. Ein Zimmer mit angenehmen dänischen Flair. Vor dem Zimmer war ein lange Veranda, die wir uns mit den Nachbarn teilen konnten. Das Toilette und die Dusche über den Flur - die nächste Tür war, das störte uns hier gar nicht (es gibt nur drei Zimmer - und das Größte war für uns).  Also ein Zimmer nach unseren Vorstellungen. Wir wurden uns schnell über den Preis einig (der lag in unserem Limit) und waren glücklich, dass der Tag doch noch so einen tollen Ausklang fand. So brauchten wir nicht auf das Angebot des Bauern ..., unsere eventuelle letzte Rettung, zurück kommen. Welch ein Glück.

Unser Zimmer wurde schnell bezogen, das Auto ausgeräumt, etwas frisch gemacht und ein Bier getrunken. Herrlich.
In der unteren Etage befand sich ein gemütlicher Aufenthaltsraum mit Kamin, Sesseln und Fernseher. Die Gästeküche befand sich auf unserer Etage. Sie war mit allen Sachen ausgestattet, die man so im Urlaub braucht. Im Kühlschrank waren Getränke eingelagert, von denen man sich zu moderaten Preisen bedienen konnte. Insgesamt also eine schöne Unterkunft. Leider sollten wir sie in den nächsten Tagen kaum nutzen, denn so ein Bunkertag ist lang.

Das Haus befand sich ca. 5 km ostwärts von Norre Vorupoer und in diese Gemeinde fuhren wir dann noch. Als erstes besorgten wir uns dänisches Geld und dann noch etwas zum Beißen. Danach warfen wir noch eine Blick auf den tollen Strand, verweilten etwas am Wasser und erfreuten uns an der Nordsee mit seinen Schönheiten. Jetzt hatten wir endlich die Zeit dazu.

Strand von Norre Vorupoer

Gegen 21.00 Uhr, es wurde langsam dunkel, waren wir wieder in unserem Quartier - tranken noch eine Flasche Wein und freuten uns auf die kommenden Tage. Das gemeinsame "EHEBETT" war recht bequem und wir schliefen jeder auf seiner Seite recht schnell ein. Der Tag war lang und wir hatten eine weite Tour von über 1000 km hinter uns. Draußen wehte ein etwas stärkerer Wind - der konnte uns aber nichts mehr anhaben.